Eine persönliche Erfahrung. Empfehlungen für Bergsteiger, die an einer kommerziellen Mt. Everest-Expedition teilnehmen möchten
Die Mount Everest-Expedition:
Mt. Everest-Expedition geführt von Kari Kobler: Im Frühjahr 2007 nahm ich an einer Mount Everest-Expedition teil, geführt von Kari Kobler von der Firma Kobler & Partner. Wir sind Mt. Everest (8.848m) von der tibetischen Seite in China angegangen. Die Gesamtdauer der Exedition wurde auf etwa 8 Wochen geschätzt. Wir benötigten ein Visa für China und ein Permit für Mt. Everest.
Diese Expedition setzt eine gute Vorbereitung und viel Training voraus. Die Erfahrung anderer 8000er Berge ist eine notwendige Voraussetzung, um am Mount Everest erfolgreich bestehen zu können. Die Nordseite des Berges gilt als windig und kalt. Die Partizipation an einer kommerziellen Expedition zum Mt. Everest ist sehr teuer, stellt für die meisten Teilnehmer einen einmaligen Höhepunkt ihres Lebens dar und erfolgt zumeist unter Heranziehung von hart erspartem Geld. Während der Tour hatte ich die Gelegenheit, großartige Menschen wie die Teilnehmer der französischen Expedition des Fürstentums Monaco und Thomas Bubendörfer kennenzulernen. Mit Simen aus Norwegen, Thierry, Ludovic und Lionel aus Frankreich waren sehr nette und intelligente Bergsteigerkollegen im Team. Im Folgenden ist meine persönliche Beurteilung dieser Mount Everest-Expedition und die Qualität der Expeditionsleitung wiedergegeben:
Um eine gute Akklimatisierung zu erreichen, haben wir die Tour in Lhasa (Tibet) gestartet. Begleitet von Sightseeing haben wir uns schrittweise höher begeben, um schließlich das Mount Everest Base Camp (5.300m) zu erreichen. Dort begann die eigentliche Bergtour. Je nach Person dauert der Prozess der Höhenanpassung dort von einigen Tagen bis hin zu Wochen. Die nächste Stufe ist das in 6.400m gelegene Advanced Base Camp. Dieses liegt vertikal etwa 1.100m höher und horizontal etwa 20km entfernt. Der Schritt vom Base Camp zum Advanced Base Camp ist kritisch und muss sehr bedacht vollzogen werden. Leider hat Kari Kobler die Expeditionsteilnehmer zur selben Zeit nach oben in das Advanced Base Camp geschickt, ungeachtet der Tatsache, dass ein weiterer Expeditionsteilnehmer und ich noch nicht ausreichend im Base Camp akklimatisiert waren. Ich denke, dadurch einem unnötigen höheren Risiko ausgesetzt gewesen zu sein und empfehle jedem Bergsteiger lieber einen zusätzlichen Tag einzulegen, bevor der Weg nach oben fortgesetzt wird. Dies sollte eigentlich von jedem gewissenhaften Bergführer unterstützt werden. Da ich zu früh nach oben musste, blieb mir nichts anderes übrig als wieder runter in das Base Camp zu gehen, dort zu akklimatisieren und mir dann den Weg in das Advanced Base Camp nach oben zu kämpfen, um den Anschluss an die Gruppe zu erreichen. Die offensichtliche Fehlentscheidung Kari Koblers hat meinen Ablauf negativ beeinflusst und wichtige Energie gekostet, da ich viel mehr Tage verloren habe, als ursprünglich etwas länger im Base Camp zu bleiben. Währenddessen hat Kari Kobler seinen Weg mit zwei Bergsteigern fortgesetzt.
Jeder Bergsteiger muss sich im klaren sein, dass das weniger komfortable Advanced Base Camp den eigentlichen Ausgangspunkt für das weitere Höhenbergsteigen am Mount Everest darstellt. Von hier aus sind weitere Anstiege notwendig, um endgültig akklimatisiert zu sein und um den eigentlichen Gipfelanstieg vorzubereiten. Die Hochlager befinden sich in 7.000m (Northcol), 7.500m, 7.800m und in 8.300m Höhe. Sobald die Höhenanpassung des Körpers erfolgt ist, begeben sich die Bergsteiger normalerweise hinunter in das Base Camp, um Energie für den eigentlichen Gipfelanstieg zu tanken.
Schon bei der Anreise, im Base Camp sowie während der gesamten Tour ist es für den Erfolg der Expeditionsteilnehmer notwendig, Infektionen oder Magen-Darm-Verstimmung unbedingt zu vermeiden. Hygiene ist extrem wichtig! Ungeachtet von unbefriedigenden Verhältnissen im Base Camp sollten die Bergsteiger hohe Standards einer persönlichen Sauberkeit einhalten.
Meiner Meinung nach ist es für eine gewissenhaft geführte Expedition von enormer Wichtigkeit, die Gruppe so lange wie möglich zusammen zu halten. Die Bergsteiger können dadurch ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Leider hat Kari Kobler in seinem eigenen Drang zum Gipfelerfolg bevorzugt sich selbst und eine weitere Schweizer Expeditionsteilnehmerin voran getrieben. Ich hatte den Eindruck, dass seine Entscheidungen vornehmlich an seiner dritten Besteigung des Berges und dem Gipfelerfolg der Schweizer Teilnehmerin ausgerichtet waren. So wurden die gipfelerfahrenen Sherpas für deren Besteigung am 16. Mai 2007 eingesetzt. Es befanden sich aber noch weitere Expeditionsteilnehmer in der Pipeline und bei der Vorbereitung für den Anstieg etwa eine Woche später, die aber nicht mehr auf ausgeruhte Sherpas bauen konnten, da diese vorher schon vom Bergführer selbst in Anspruch genommen waren. Ich habe bisher von keinen Sherpas gehört, die den Gipfel des Mt. Everest innerhalb weniger Tage zweimal bestiegen hätten. Um auf der sicheren Seite zu sein, habe ich vor Beginn der Expedition Geld für einen persönlichen Sherpa bezahlt, der mich auf den Gipfel begleiten sollte, so dass ich nicht allein oben einem für die Bergsteiger hohen und in dem Fall unnötigen Risiko ausgesetzt gewesen wäre. Zusammen mit einem Teamkollegen haben wir zusätzliche Tage akklimatisiert. Bereit zum Anstieg, ist es definitiv kein angenehmes Gefühl noch unten zu sein und zu hören, dass Kari Kobler als Expeditionsleiter die gipfelerfahrenen Sherpas für seinen eigenen Gipfelerfolg sozusagen auf Kosten seiner Klienten für sich selbst eingesetzt hat, während er es anscheinend für die verbleibenden Teilnehmer für angemessen hielt, dass sich diese später mit bereits müden Sherpas auf den Weg zum Gipfel machen würden. Von einem verantwortungsvollen Expeditionsleiter erwarte ich die Berücksichtigung jeglicher Sicherheitsstandards für alle Klienten. Es erscheint mir unverantwortlich, wenn in Kauf genommen wird, dass Klienten mit bereits auf dem Gipfel gewesenen Sherpas an solch einem gnadenlosen Berg in Richtung Gipfel gehen sollen!
Im Folgenden sind die Vor- und Nachteile dieser von Kari Kobler geführten Expedition aus meiner Sicht aufgeführt:
Vorteile der Expedition:
gutes Essen und gutes Kochen,
ausreichende Hygiene,
akzeptable bis gute Ausrüstung,
gute Wetterinformation und Wettervorhersagen.
Nachteile der Expedition:
zu geringe Berücksichtigung der individuellen Situation aller bezahlenden Klienten (obwohl wir eine vergleichsweise kleine Gruppe waren),
die Sicherheit und sogar das Leben von Expeditionsteilnehmern war zeitweise unnötigerweise gefährdet,
hauptsächlich durch Glück konnte ein grösseres Unglück vermieden werden (davon bin ich überzeugt),
schlechter Führungsstil und teilweise schlechtes Management hatten negative Auswirkungen auf die Expeditionsteilnehmer,
Ungleichbehandlung von Expedtionsteilnehmern. Es schien, als ob Kari Kobler’s Entscheidungen vornehmlich an seinen eigenen Interessen ausgerichtet waren. Bei mir entstand der Eindruck, dass er an einem Gipfelerfolg aller Teilnehmer dieser Expedition nicht sonderlich interessiert war,
aus den genannten Gründen sah ich dies als finanzielle “Abzocke”.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen:
Meine persönliche Schlussfolgerung und Empfehlung für nicht professionelle Bergsteiger ist, dass die Teilnahme an einer rein kommerziellen Mt. Everest-Expedition sehr genau überdacht werden sollte. Ich halte es für in Ordnung, wenn Profi-Bergsteiger zu einer professionellen Expedition eingeladen sind und daran teilnehmen. Sofern Amateurbergsteiger von diesem Berg so „besessen“ sind und unbedingt an einer kommerziellen Expedition teilnehmen möchten, dann muss eine ganze Reihe an Faktoren beachtet werden. Meine Empfehlungen basieren auf meiner eigenen Erfahrung, meinen Beobachtungen während der Mt. Everest-Expedition im Frühjahr 2007 sowie auf Gesprächen mit anderen Bergsteigern:
Die intensive Überprüfung der Referenzen der kommerziellen Anbieter von Mt. Everest-Besteigungen und deren Guides ist ein absolutes “Muss”. Dabei sollten keine Kompromisse gemacht werden. Jeder Teilnehmer sollte sich im Klaren sein, dass es sich inzwischen um eine Industrie handelt, in der, wie in jeder anderen Branche, Profit gemacht werden soll. Sehr wichtige Faktoren zur Auswahl eines kommerziellen Anbieters einer Everest-Tour stellen Zuverlässigkeit, Qualität, Sicherheit(!) und Kosten dar.
Es sollten so viele Informationen wie nur möglich über den Anbieter und deren Führungsqualität am Mt. Everest herausgefunden werden. Weiterhin muss sichergestellt sein, dass das Management professionell arbeitet! Kobler & Partner hatte beim Start unserer Tour 2007 kein ausreichendes Abkommen bzgl. Übergewicht mit der Airline ausgehandelt. Stattdessen versuchte Kari Kobler seinen Fuss unter die Waage der Airline beim Check-in in Zürich zu stellen und so das Gewicht des Gepäcks zu manipulieren, was für mich schon die erste „rote Flagge“ bereits beim Start der 2007 Mt. Everest-Expedition hätte darstellen sollen.
Es muss sicher gestellt sein, dass die Bergführung im Sinne aller Teilnehmer handelt. Ein kritischer Test von Persönlichkeitsmerkmalen und Charakter der Expeditionsleitung sollte vor der Tour vorgenommen werden! Mt. Everest ist ein sehr harter Berg. Ein Expeditionsleiter mit einer negativen Persönlichkeit oder fehlender Führungsqualität kann solch eine Tour zu einer Tortur werden lassen. Vorkommnisse wie das heimliche Durchsuchen des Zelts von Teilnehmern durch den Expeditionsleiter sollten nicht hingenommen werden.
Die Sicherheitsstandards der Expeditionsleitung müssen unbedingt überprüft werden. Manche Menschen verlieren ihr Leben am Mt. Everest (die meisten beim Abstieg vom Gipfel)! Vergangene Vorkommnisse des professionellen Anbieters müssen genauestens untersucht werden. Wenn es Sicherheitsmängel gab, sollte diesen nachgegangen werden. Sind Klienten in der Vergangenheit umgekommen, sollten die Hintergründe unbedingt beleuchtet werden. Kari Kobler hat vor wenigen Jahren einen Klienten am Mount Everest verloren (und hat im Frühjahr 2008 einen weiteren Bergsteiger am Everest verloren!). Leider habe ich keine genauen Nachforschungen über die genauen Umstände dieses Todesfalles angestellt. Vielleicht hätte ich das tun sollen.
Ein professioneller Internetauftritt des kommerziellen Anbieters sollte nicht allzu grossen Eindruck bei der Wahl des Anbieters hinterlassen. Ein Spezialist kann eine gute Website recht fix installieren, die zumeist nur das positive Feedback von Klienten enthält.
Die finanzielle Seite sollte sehr genau geprüft werden. Eine Vorauszahlung des kompletten Betrags sollte unbedingt vermieden werden, sondern vielmehr nur eine Teilzahlung vorab erfolgen. Der Zahlung des Restbetrags sollte aufgrund der Qualität der Expedition und vor allem der Führung leistungsabhängig und nach der Expedition erfolgen. Verhandeln ist angesagt. Ich glaube, diese Strategie macht sich für den Teilnehmer sehr bezahlt.
Sofern ein persönlicher Sherpa angeheuert wird, sollte dieser vom Teilnehmer direkt und selbst organisiert sein. Eigenorganisation ist wichtig. In Kathmandu und Tibet gibt es genügend Sherpas. Nur dann arbeitet der Sherpa für den Klienten und ist nicht nur an die Anweisungen des Expeditionsleiters gebunden. Bei Bezahlung für einen persönlichen Sherpa durch den Anbieter der Tour besteht das Risiko, dass der Sherpa nur den Anweisungen des Bergführers folgen muss. Zudem ist es billiger, einen Sherpa direkt anzuheuern, da die Gewinnmarge für den Anbieter wegfällt.
Trinkgeld für die Sherpas ist unerlässlich. Soll ein bestimmtes Mitglied der Crew (Sherpas, Koch, etc.) Trinkgeld bekommen, sollte dies persönlich ausgehändigt werden. Damit ist sichergestellt, dass es auch komplett ankommt und behalten werden kann. Gewöhnlich sind die Sherpas und die Crew-Mitglieder grossartige, selbstlose Menschen mit grossen Herzen! Ich habe persönlich nur wenige Leute kennengelernt, die selbstlos Menschen retten und so bescheiden bleiben.
Von ganzem Herzen viel Glück! Wichtig ist zu überleben. Am Berg sollten Sicherheit und Menschlichkeit niemals vergessen werden! Klares Denken ist wichtig. Herzliche Gratulation, wenn unter Beachtung dieser Kriterien der Gipfel erreicht wird und der sichere Abstieg erfolgt.